Zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Marienstatue in den Strassen von Otranto, Apulien

Die Marienverehrung ist in der katholischen und der orthodoxen Kirche stark verwurzelt, während die evangelische und die reformierte Kirche ihr kritisch, sogar ablehnend gegenübersteht. Maria zu verehren, bedeutet nicht, sie anzubeten. Anbetung richtet sich allein an Gott. Maria verehren heisst, sie als Fürsprecherin bei Gott anzurufen. Rein äusserlich mag das nicht deutlich zum Ausdruck kommen. Aber es müsste eigentlich jedem, der Maria verehrt, bewusst sein. Es mag auch scheinen, dass Gläubigen, die Maria verehren, Maria näher ist als Gott. Das ist gefühlsmässig leicht zu verstehen, da Maria ein Mensch ist und als Frau und Mutter gelebt hat. So ist sie auch unseren täglichen Sorgen und Nöten nahe.

Es ist aber möglich, dass die Marienverehrung Formen annimmt, die nicht mehr mit dem christlichen Glauben vereinbar sind. Das war sicher im späten Mittelalter der Fall. Es gab Übertreibungen, die mehr Aberglaube als Glauben waren. Dagegen wehrte sich Luther, der zwar selber ein Marienverehrer war. Übertriebene Formen der Marienverehrung sind zu allen Zeiten möglich. Vor Kurzem hat Rom ein Dokument veröffentlicht, in dem es um diese Frage geht. Es empfiehlt die Verehrung Mariens, macht aber darauf aufmerksam, dass sie dem christlichen Glauben entsprechen muss. So wird festgehalten, dass Ausdrücke wie «Miterlöserin» oder «Mittlerin aller Gnaden» unangebracht sind, weil sie Maria mit dem verbinden, was allein auf Jesus zutrifft. Christus ist Erlöser und Mittler zwischen Gott und den Menschen. Das trifft auch auf das Fest vom 15. August zu. In Bezug auf Christus reden wir von seiner Himmelfahrt, in Bezug auf Maria von der Aufnahme in den Himmel. Sie gehört, wie wir, zu den von Christus erlösten.

Die Christen der ersten Jahrhunderte haben sich gefragt, was mit Maria nach ihrem irdischen Leben geschehen ist. Sie musste doch als Mutter von Jesus in besonderer Weise an seiner Auferstehung Anteil haben. In ihrem Glauben haben sie erkannt, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Mit «Himmel» ist nicht ein Ort im endlosen Uni-versum gemeint. Das Wort Himmel will sagen, dass es in Gott einen Platz für uns gibt. Was die Christen im Glauben von Maria bekennen, das dürfen wir auch für uns erhoffen und erwarten.

Mit dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel ist auch der Brauch der Kräutersegnung verbunden. Viele Kräuter, die als Heilkräuter verwendet werden, reifen zu dieser Zeit; z.B. Wermut, Pfefferminze, Kamille, Thymian, Baldrian, Schafgarbe, Arnika und Johanniskraut. Diese Kräuterbüschel sind Ausdruck unserer Bitte um Gottes heilende Kraft für Leib und Seele.

Herzlich laden wir ein zu den Gottesdiensten, in denen wir die Aufnahme Mariens in den Himmel feiern:

Samstag, 15. August, 18.00 Uhr im ökumenischen Kirchenzentrum Romana
Sonntag, 16. August 2026, 10.00 Uhr in der Kirche St. Anton

In beiden Gottesdiensten werden Kräuterbüschel, die mitgebracht werden, gesegnet.

Andreas Bitzi, Priester


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